Fallstudie
EPHEC: Wie Videoangebote die digitale Lehre stärken und selbstgesteuertes Lernen fördern
- Hochschulbildung
- SelbstgesteuertesLernen
- NachhaltigeLehre
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Thomas Braibant
Thomas Braibant ist seit 2022 Berater im Bereich Digitale Lehre an der EPHEC. Im Team für Lehr- und Lernunterstützung (7 Mitarbeitende) begleitet er Lehrende bei der Weiterentwicklung ihrer Lehrkonzepte und beim Einsatz digitaler Lehr- und Lernformate.
Die EPHEC ist eine belgische Hochschule mit Standorten in Brüssel und Wallonisch-Brabant. Mehr als 8.000 Studierende sind an vier Campusstandorten in den Fachbereichen Wirtschaft, Technologie, Gesundheit und Bildung eingeschrieben.
Das Bildungsangebot gliedert sich in drei Bereiche: Bachelor- und grundständige Studienprogramme, berufsbegleitende Weiterbildungsangebote für Berufstätige, sowie zertifizierende Programme der beruflichen Weiterbildung. Mit über 25.000 Absolvent*innen verfolgt die EPHEC einen stark praxisorientierten Ansatz, der akademisches Lernen eng mit beruflichen Anforderungen verbindet. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung von Lehre und Lernen sowie auf der Förderung des lebenslangen Lernens.
Vom Technikstudio zum praxistauglichen Produktionsraum für die Lehre
An der EPHEC scheiterte die Videoproduktion nicht an fehlender Infrastruktur, ein Aufnahmestudio war bereits vorhanden. Die eigentliche Herausforderung bestand darin, dass die Erstellung von Lehrvideos für viele Lehrende zu aufwendig war: Die Technik war komplex, die Unterstützung durch das Medien-Team häufig erforderlich und die Produktion mit erheblichem organisatorischem Aufwand verbunden.
Im Rahmen des europäischen Wiederaufbauprogramms nach der Covid-19-Pandemie investierte die Hochschule daher in ein Rapidmooc-Studio und optimierte gleichzeitig die räumlichen Voraussetzungen durch eine verbesserte Schalldämmung und eine höhere Nutzerfreundlichkeit.
Im Mittelpunkt stand jedoch nicht die Technik selbst, sondern die Frage, wie Videos nachhaltig in die Lehrpraxis integriert werden können.
Die Einführung des Rapidmooc-Studios und die akustische Optimierung des Raums haben die Nutzungsmöglichkeiten grundlegend verbessert.
Das Studio ist heute:
- einfach online buchbar
- nach einer 45-minütigen Einführung sofort nutzbar
- ohne technische Vorkenntnisse bedienbar
- für hochwertige Audioaufnahmen akustisch optimiert
Digitale Lehre weiterdenken: Inhalte effizient erstellen und nachhaltig nutzen
An der EPHEC werden Videos nicht allein zur Erstellung zusätzlicher Lernmaterialien genutzt. Sie unterstützen dabei:
- Flipped-Classroom-Szenarien umzusetzen
- asynchrone Vorbereitungsmaterialien bereitzustellen
- hybride Lehrformate strukturiert zu gestalten
- zentrale Lehrinhalte langfristig verfügbar und wiederverwendbar zu machen
Der Mehrwert für die Lehre zeigt sich konkret im Studienalltag:
- Studierende bereiten sich mithilfe der Videos vor der Präsenzveranstaltung auf die Inhalte vor
- Präsenzzeit kann für Diskussionen, Vertiefung und Analyse genutzt werden
- Lehrende können wiederkehrende Inhalte effizient bereitstellen
„Eine überzeugende Lösung: einfach intuitiv und sofort einsatzbereit.“
Zufriedene Lehrende
Doch der eigentliche Mehrwert liegt nicht allein in der effizienteren Nutzung von Lehr- und Lernzeiten. Die Erstellung von Lehrvideos führt häufig dazu, dass Lehrende ihre Inhalte stärker strukturieren, Lernziele präziser definieren und didaktische Schwerpunkte bewusster setzen. Der Produktionsprozess wird damit zu einem Instrument der Lehrentwicklung.
Besser produzieren bedeutet:
- weniger Komplexität
- mehr didaktische Kohärenz
- mehr Orientierung und Klarheit für Studierende
Digitale Lehre wird nicht allein durch den Einsatz von Technologien verbessert. Ihr Mehrwert entsteht dort, wo Lehrangebote gezielt gestaltet und didaktisch durchdacht werden.
Es ist ein subtiler, aber wichtiger Perspektivwechsel:
Videos werden nicht produziert, um Präsenzlehre zu ersetzen – sie schaffen Freiräume für Interaktion, Diskussion und vertiefendes Lernen innerhalb der Lehrveranstaltung.
Genau hier wird der Mehrwert sichtbar: eine höhere Beteiligung der Studierenden, intensiverer Austausch und ein nachhaltigerer Lernerfolg.
MetropedIA: Videos gezielt in didaktische Lernpfade integrieren
Das Projekt MetropedIA steht exemplarisch für einen strukturierten Einsatz von Videos in der Hochschullehre. Die Plattform vermittelt Kompetenzen rund um KI in Form eines interaktiven Lernpfads, der sich an der Logik eines U-Bahn-Netzplans orientiert.
Jede Lerneinheit beginnt mit einem kurzen Video (ca. eine Minute), das mit Rapidmooc erstellt wurde. Die Videos unterstützen dabei:
- Konzepte verständlich einzuführen
- Lernaktivitäten einzuleiten
- den fachlichen Kontext herzustellen
- einen persönlichen Bezug herzustellen
Dabei werden die Videos nicht als einzelne Medienbausteine bereitgestellt, sondern in ein didaktisch strukturiertes Lernszenario eingebettet. Ein ähnlicher Ansatz findet sich auch an anderen Hochschulen. So setzt die Université catholique de Louvain ihr Studio als Teil einer übergeordneten Lehr- und Lernstrategie ein.
Podcasts, Sprachlernangebote und Micro-Learning: zusätzliche Lernimpulse schaffen
Das Studio wird zudem genutzt für:
- die Produktion von Podcasts
- Sprachaufnahmen für Sprachlehre und Kompetenzentwicklung
- Lernangebote im Bereich Fremdsprachen
- Micro-Learning-Formate zur flexiblen Wissensvermittlung
In diesen Szenarien unterstützen Videos dabei:
- die Betreuung von Studierenden auch über Distanz aufrechtzuerhalten
- Erwartungen transparent zu kommunizieren
- die aktive Auseinandersetzung mit Lehrinhalten zu fördern
Der Nutzen beschränkt sich dabei nicht auf die Bereitstellung von Medieninhalten – Videos tragen dazu bei, Lernangebote über verschiedene Formate hinweg konsistent zu gestalten und die Kontinuität im Lernprozess zu stärken.
Eine intuitive Lösung, die Sicherheit vermittelt und den Einstieg erleichtert
Die größte Hürde bei der Erstellung von Lehrvideos liegt an Hochschulen häufig nicht in der Didaktik, sondern in der Technik. Viele Lehrende verfügen bereits über konkrete Ideen für den Einsatz digitaler Medien, zögern jedoch aufgrund technischer Unsicherheiten: die Sorge, Fehler zu machen, zu viel Zeit zu investieren oder die Technik nicht ausreichend zu beherrschen.
An der EPHEC gehört diese Hürde der Vergangenheit an.
Das Rapidmooc-Studio wird als:
- komfortabel
- intuitiv nutzbar
- und sofort einsatzbereit wahrgenommen.
Ein oft unterschätzter Faktor sind dabei die räumlichen Rahmenbedingungen. Eine akustisch optimierte, angenehme und zentral gelegene Umgebung senkt die Einstiegshürde: Statt sich auf die Technik zu konzentrieren, kann der Fokus auf die Gestaltung der Lehrinhalte gelegt werden.
Auch der Teleprompter spielt hier eine zentrale Rolle: Er unterstützt die Lehrenden bei der Aufzeichnung, schafft Sicherheit beim Sprechen, reduziert den Vorbereitungsaufwand und verringert die Zahl notwendiger Wiederholungen.
Ein weiterer wichtiger Erfolgsindikator: Die Unterstützung bei Aufzeichnungen beansprucht heute nur noch etwa ein Zehntel der Arbeitszeit des Teams für Digitale Lehre. Das verdeutlicht, dass keine technische Abhängigkeit besteht.
Vielmehr fördert das Studio die eigenständige Nutzung. Diese wirkt sich nachhaltig aus: Wer positive Erfahrungen mit der Videoproduktion macht und den Prozess als einfach und verlässlich erlebt, integriert Videos deutlich häufiger in zukünftige Lehr- und Lernszenarien.
Nächster Schritt: Videos systematisch in digitale Lernpfade integrieren
Zu den nächsten Entwicklungsschritten gehören:
- das Studio vermehrt für Studierende zugänglich zu machen
- umfassende E-Learning-Angebote zu entwickeln
- créer des capsules d'accompagnement aux compétences numériques
- hybride Sprachlernformate weiter auszubauen
Rapidmooc hat an der EPHEC keine abrupte Transformation ausgelöst. Der Mehrwert entstand vielmehr durch eine kontinuierliche und praxisnahe Integration in bestehende Lehr- und Lernprozesse.
Genau so entwickelt sich moderne Lehre weiter: Nicht durch die Einführung neuer Werkzeuge, sondern durch deren gezielten und sinnvollen Einsatz in Lehrkonzepten.