01/03/2022

Videotool erfolgreich einführen: mit dem richtigen Konzept zu mehr Akzeptanz in der Belegschaft

Inhouse-Videoproduktionen schön und gut – doch wie gehen wir strategisch vor, sodass die Akzeptanz des neuen Videotools in der Belegschaft auch von Beginn an hoch ist und der ROI schnell erreicht wird?  

Sollen Lernvideos wirklich einen nachhaltigen Beitrag zur L&D- und E-Learning-Strategie leisten, dann ist es allein mit einem neuen Videotool nicht getan. Die Definition von Lernzielen und Zielgruppen sowie die inhaltliche Strukturierung und Vorbereitung sind enorm wichtig! Wenn auf dieser Grundlage verschiedene benötigte Formate ausgewählt werden und möglichst einfach zugänglich gemacht werden, ist das die halbe Miete in Richtung hohe Akzeptanz.

Die passenden Voraussetzungen schaffen

Die Akzeptanz und Wertschätzung von Videoformaten im Alltag sind natürlich ein großes Argument für ihren Einsatz auch im Unternehmenskontext. Zwischen Fernsehen, Instagram, TikTok und Co. sind wir alle den regelmäßigen Konsum von videobasierten Informationen gewöhnt. Ihre Produktion jedoch weniger. 

In der Zusammenarbeit mit Unternehmen erleben wir sehr oft, dass der Hauptfokus auf die technische Ermöglichung von Videoformaten gelegt wird. Aufnahme, Nachbearbeitung und Bereitstellung sind meist bestens durchdacht. Allerdings sind dies die finalen Etappen der Entstehung von Videoinhalten. In Vergessenheit gerät, dass auch der Umgang mit digitalen Lernformaten sowie ihrer Erstellung gelernt sein will.  

Neben der Herausforderung, das geballte Wissen von Subject Matter Experts (SME) zu strukturieren und in zusammenhängende Themenblöcke einzuteilen, liegt auch eine große Aufgabe in der Aus- und Aufarbeitung dieser Inhalte. Ein Blick auf den typischen Entstehungsprozess von Lernvideos verdeutlicht die Komplexität ihrer Konzeption und Produktion. Der Prozess zeigt, dass schon in der Vorbereitung der Inhalte thematische Expert*innen, Didaktiker*innen, Designer*innen und die Technik gut zusammenarbeiten müssen, um ein Lernformat zu erstellen, das den gewünschten Erfolg bringt.  

Sie sehen schon: Der Weg zur Akzeptanz fängt lange vor der Auswahl eines Videotools an. Bevor wir aber die einzelnen Schritte im Detail ansehen, hier ein Tipp vorweg, den wir bei der Einführung eines neuen Videotools häufig geben: Es muss nicht immer „fancy“ sein und möglichst spektakulär aussehen, vor allem nicht am Anfang. Es muss die Lernziele erreichen und gut umsetzbar sein. Das nimmt den Druck heraus und motiviert Teams dazu, das neue Tool “einfach mal auszuprobieren” und so letztendlich schnell und effektiv seine Akzeptanz zu erhöhen. 

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Zieldefinition

Das strategische Ziel verstehen:

Bevor Sie mit der Erstellung beginnen, sollten Sie sich mit wesentlichen strategischen Aspekten befassen. Welches Ziel soll mit den künftigen Videos erreicht werden? Daraus ergibt sich gleichzeitig der (technische) Anspruch an Ihre Videos (Umfang, Format, etc.).

Das Lernziel definieren:

Beginnen Sie, wie bei allen Lehrinhalten, immer mit einem konkreten Lernziel. Was sollen die Mitarbeiter*innen aus diesem Video mitnehmen? Stellen Sie sicher, dass das Lernziel klar, prägnant und relevant ist. Die Lernenden sollten das Lernziel kennen, bevor sie sich das Video ansehen.

Die Zielgruppe kennen:

Für wen ist das Schulungsvideo bestimmt? Das Verständnis Ihres Publikums ist der Schlüssel zum Entwurf eines effektiven Schulungsvideos. Denken Sie während des gesamten Designprozesses immer aus der Sicht Ihrer Zuschauer*innen. 

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Videoplanung

Orientieren Sie sich an Ihrer Zielgruppe:

Relevanz für die Zielgruppe ist in jedem Video ein wichtiges Thema. Aufhänger können dazu dienen, die Zielgruppe mit ihren jeweiligen Erwartungen und Bedürfnissen von Beginn an abzuholen. 

Strukturieren Sie Ihre Fragestellungen:

Wie strukturieren Sie Ihre Inhalte nach dem Aufhänger? Welche Kapitel soll das Video beinhalten und an welcher Stelle soll auf andere Videos bzw. Kurse verwiesen werden? In welcher Reihenfolge machen die Kapitel am meisten Sinn?

Ein kurzer Ausblick auf die Ausrüstung:

Welches Videoformat unterstützt Ihre Lernziele am besten? Welche Ausrüstung benötigen Sie idealerweise dafür? Dies hängt von Ihrem Publikum, Ihrer Botschaft, Ihren Zielen, Ihren Stakeholdern und den verfügbaren Ressourcen ab. 

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Skript & Design

Schreiben Sie ein Skript:

in gut geschriebenes Skript kann sehr hilfreich sein, um ein erstes Lernvideo zu erstellen. Ein weiterer Schritt in Richtung Professionalisierung Ihres Video-Contents! Ein Skript hilft, in der Zeit zu bleiben, Füllwörter zu vermeiden und barrierefreie Videos zu erstellen.  Tipps: Können Sie kleine humorvolle Elemente hinzufügen? Lässt sich Ihr Video für dieses spezielle Publikum personalisieren? Können Sie bspw. relevanten Firmenjargon für allgemein bekannte Anspielungen verwenden?

Skizzieren Sie Ihre Ideen:

Wie wird Ihr Video visuell aussehen? Welche Bilder werden auf dem Bildschirm erscheinen, und zu welchem Zeitpunkt? Mit Ihrem Skript ist es an der Zeit, den Text an die visuellen Darstellungen anzupassen. Dies kann mit Hilfe einer Storyboard-Technik geschehen. Ihr Storyboard kann in einem einfachen Tabellenformat erstellt werden: das Skript auf der linken Seite und die visuelle Darstellung auf der rechten Seite.

Erstellen Sie Ihre Präsentation:

Arbeiten Sie mit Design-Prinzipien. Bedenken Sie vor allem immer: Der Inhalt ist Ihr Trumpf, aber eine Deckungsgleiche zwischen Gesprochenem und Geschriebenem lenkt Lernende eher ab als ihr Verständnis zu begünstigen. Sie sollten mit Ihrer Präsentation interagieren und diese NICHT als Skript verwenden! 

Beginnen Sie einfach

Wenn Sie wenig Erfahrung mit Videos haben, fangen Sie aus technischer Sicht am besten einfach an. Dank der guten Vorbereitung kann ja fast nichts mehr schiefgehen! Probieren Sie Tools aus, die eine leichte Lernkurve haben, aber dennoch die Möglichkeit bieten, ansprechende Videos zu erstellen. Sobald Sie diese beherrschen, können Sie sich an fortgeschrittenen Tools versuchen.

Wichtiger Tipp: Schlechtes Bild wird verziehen, schlechter Ton nie! 

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Produktion & Nachbereitung

Industrialisieren Sie die Produktion:

Analysieren Sie die ersten Videos, die Sie gedreht haben, beobachten Sie die Bedürfnisentwicklung und legen Sie die wichtigsten Kriterien fest, die ein Aufnahmetool haben sollte, mit dem Sie Ihre Produktionskapazität steigern können. 

Bleiben Sie in Ihrer Corporate Identity:

Verwenden Sie Ihr Firmenlogo, Ihre Schriftarten und Grafiken. Dies trägt dazu bei, ein einheitliches Erscheinungsbild für Ihre Schulungsvideos zu schaffen und erleichtert es Mitarbeitenden, sich damit zu identifizieren. Es zeigt auch, dass Sie den Details große Aufmerksamkeit schenken.

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Teilen & Managen

Hosting von Lernvideos:

Wenn Ihre Videos für ein internes Publikum bestimmt sind, werden sie höchstwahrscheinlich auf einer Videoplattform oder einem LMS gehostet. Wenn Ihre Videos für ein externes Publikum bestimmt sind, gibt es viele Online-Plattformen für das Hosting - YouTube und Vimeo sind unter den beliebtesten.

Kommunikationsplan:

Nach der Produktion sollen die Videos auch angeschaut werden. Wie jedes Trainingsprogramm benötigen Sie einen Kommunikationsplan. Überlegen Sie sich, wie und in welchem Rahmen Sie Ihrer Organisation von den Videos erzählen wollen. Stellen Sie sicher, dass das Zielpublikum über das Programm Bescheid weiß und erfährt, wo es darauf zugreifen kann.

Vorteile eines strategischen Lernkonzepts

Sie sehen schon, es gilt also vor allem eins: Je besser die Vorbereitung, desto weniger Nachbearbeitung! Wenn Sie sich über alle genannten Punkte im Vorfeld bereits Gedanken gemacht haben, stehen Sie im Nachhinein nicht vor ungeklärten Fragen und Problemen, die Sie im schlimmsten Fall in der letzten Minute klären müssen. Außerdem gilt, dass die Akzeptanz für die Einführung von E-Learning-Videos erhöht wird, wenn die technische Seite möglichst unkompliziert abläuft und die konzeptuelle Seite für Erfolgserlebnisse sorgt. Haben Sie bereits vor Beginn der Nutzung Ihres Videotools diese Vorarbeit geleistet, können Nutzer*innen sich natürlich auch davon inspirieren lassen. Die Vorbereitung legt also den Grundstein für eigene Fortschritte und Erfolgserlebnisse – die Technik wiederum darf diese auf keinen Fall hindern und muss so reibungslos und selbsterklärend wie möglich funktionieren. 

Wenn es trotz Lernkonzept nicht klappt …

Hand aufs Herz: Haben Sie das passende Tool gewählt? Es gibt wirklich mittlerweile ganz viele unterschiedliche Möglichkeiten, Videos zu erstellen. Aus rein technischer Sicht ist es manchmal wichtig, unterschiedliche Lösungen einfach mal auszuprobieren. Dabei stellt man am besten fest, welche zu Team und Einsatzbereichen passen. 

Dennoch ist es nicht einfach, bei den ganzen Möglichkeiten immer den Überblick zu behalten und den richtigen Tool-Stack zu wählen. Mit einem Blick auf diese Liste erkennen Sie wahrscheinlich schon einige Programme oder Tools, die bei Ihnen bereits zum Einsatz kommen.  

In Bezug auf die gefilmten Videos kann man hier etwas verallgemeinernd sagen: Die Professionalität nimmt von oben nach unten zu und es gilt ja nach eigenen Ressourcen die optimale Lösung zu finden, um den Trade-off zwischen limitierten finanziellen Ressourcen, limitieren zeitlichen Ressourcen und einem gestiegenen Qualitätsanspruch zu lösen!  Dabei spielen meist Kriterien wie mögliche Aufnahmeformate, Mobilität, Autonomie der Anwender*innen und natürlich auch der ROI eine wichtige Rolle. Besonders wichtig ist es immer, ein Tool auch möglichst gut in die bereits bestehende Infrastruktur integrieren zu können. Bereits eingeführte Technik soll nicht mit nur einer Entscheidung obsolet werden und Abteilungen überfordern. 

Investment-Priorisierung für mehr Akzeptanz

Im Allgemeinen möchten wir Sie dazu ermutigen, die Prioritäten für Investments in der Videoerstellung zu optimieren.  

  • Ein regelmäßiges Investment sollte in die allgemeine E-Learning-Strategie und die Vorbereitung von Lernformaten gesteckt werden: Rücken Sie Ihre Expert*innen in den Vordergrund und befähigen Sie sie, Inhalte für die Zielgruppe vorzubereiten. Wenn dies durch Medientrainings, eine gute interne Begleitung und ja, auch durch die Dienstleistung von Agenturen gelingt, ist Ihnen die Akzeptanz und Wertschätzung der Videos sicher. 

 

  • Bei der Technik muss es kein regelmäßiges Investment sein. Besonders ab einem bestimmten Bedarf an Videos (bspw. die monatliche Produktion) macht ein komplementär nutzbares all-in-one-Videostudio Sinn, das ein einmaliges Investment darstellt. Ohne begrenzte Nutzerlizenzen und durch eine intuitive Bedienung ist es aber für einen breiten Nutzerkreis zugänglich und ersetzt mit Sicherheit keine Werbefilme – kann aber Kapazitäten im Learning deutlich erhöhen und das auf eine professionelle und effiziente Art & Weise!

Und so kann Ihr Video am Ende aussehen 🙂  

Dieser Artikel entstand im Anschluss an unseren Vortrag “Neues Videotool, und jetzt?” auf der L&D Pro Online-Konferenz im Februar 2022. Wir danken dem Organisationssteam für ein spannendes Event!